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Gut Beversundern

Das Gut Beversundern hat zunächst mit den alten Ursprüngen der Bauernschaft Altenlingen, dem früheren Oberhof, nichts zu tun und entstand insoweit erst wesentlich später. Doch zweifellos kann man das Gut Beversundern nicht von der alten Bauernschaft und dem heutigem Ort Altenlingen trennen. Beversundern gehört mit zur Geschichte Altenlingens und ist auch Teil der Geschichte.

Zur Gründung des Gutes Beversundern gibt es unterschiedliche Geschichten. Naheliegend dürfte letztlich jedoch sein, dass das Gut um 1424 durch Heirat und Zusammenlegung zweier Höfe entstand, dessen Gründer und erster Besitzer Gerlach von Bevern, ein Sohn des damaligen Burgherrn zu Bentheim (Friedrich von Bevern) war. Zur besseren Unterscheidung von den naheliegenden Besitztümern Biene und Haniken erhielt es dann den Namen Beversundern. 1543 verkaufte der Enkel des Gründers, Johann von Bevern, den Familienbesitz an den Lingener Rentmeister Adolf (Aleef) van Limborg, der 1550 auch das Gut Grumsmühlen erwarb. Der Rentmeister soll ein recht skrupelloser Mensch gewesen sein sowie wenig gewissenhaft beim Unterscheiden zwischen Mein und Dein. So soll er auch in der Bauernschaft Altenlingen einfach Ländereien ohne Genehmigung der Regierung in Besitz genommen und auf diese Art und Weise auch das Gut Beversundern erweitert haben. Adolf (Aleef van Limborg wurde übrigens am 18.08.1563 in der Nähe von Brockhausen ermordet. Eine damals geführte Klage der Bauern beim damaligen Stadthalter, die Ländereien zurückzubekommen, nützte wenig. Auch spätere gleichgerichtete Versuche schlugen fehl. Der Besitz blieb zunächst Eigentum der van Limborgs, die angeblich weiterhin Rentmeister in Lingen waren.

Im Jahr 1625 verkaufte dann die Witwe van Limborgs das Gut an den Kaiserlichen Spanischen Rentmeister Adrian Pinninck. Dieser stammte aus einer wohlhabenden holländischen Familie (Deventer, nähe Drenthe), von wo er mit seinen Brüdern aufgrund politisch-religiöser Verwirrungen ausgewandert war und sich dem damaligen Kaiser zum Dienste unterstellt hatte. Die Familie Pinninck war gut bekannt mit der Familie Boncamp. Boncamp war damals Rentmeister in Lingen. Eine seiner Söhne heiratete eine Schwester von Adrian Pinninck und dieser selbst heiratete die Tochter des Rentmeisters, Maria Boncamp. Insoweit hat es am 23.02.1617 eine feierliche Doppelhochzeit gegeben. Während Adrian Pinninck in Lingen verblieb und sich auch bereits kleinere Ländereien in der Mark Altenlingen kaufte, dienten die Brüder als Offiziere. Beide Brüder fielen bei kriegerischen Auseinandersetzungen in Böhmen bzw. bei Hameln. Dafür erhob später der deutsche Kaiser Ferdinand III. die Familie von Pinninck in den deutschen Adelsstand. Junker Adrian Pinninck übernahm das Amt des Rentmeisters von seinem Schwiegervater, der wiederum zum „Assessor van de Kontribution van Ober Rhijn" aufstieg. Pinninck war angesehen und bemühte sich um eine gerechte Amtsführung. Adrian Pinninck war ein sehr angesehener und als gerecht geltender Mann. Er hatte insgesamt 13 Kinder. Der zweitgeborene Sohn, Henrich (geb. 02.07.1619) war 1644 Schützenkönig in Altenlingen und stand — wohl später — als Capitän /Hauptmann in Diensten des Königs von Dänemark. Als Adrian Pinninck im damals (1679) seligen Alter von 87 Jahren in Limburg starb, vererbte er das Gut an seinen Sohn Friedrich Wilhelm. Dessen Tochter heiratete am 04.03.1679 Wolf Heinrich von Reusch zu Strohe und das Gut Beversundern ging als Mitgift in diese Ehe. Das Gut blieb zunächst im Familienbesitz der Familie von Reusch, zunächst beim Sohn Friedrich Christian von Reusch, der als Major dem dänischen Königshaus diente. Dieser begründete auch das Gebiet „Reuschberge" (heute ein Lingener Stadtteil). Politisch gesehen war Reuschberge jedoch für die Stadt Lingen Jahrhunderte lang Ausland, da es zum größten Teil zur Bauernschaft Darme und damit zum Fürstbistum Münster gehörte.

Das Gut brachte jedoch wirtschaftlich lange Zeit nicht genug ein und musste unter Zwangsverwaltung gestellt werden, die erst 1797 wieder aufgehoben wurde. Tochter Freiin Maria Gertrud Marcelline von Reusch erbte danach den Adelssitz. Mit ihrem Tod 1823 starb auch das adlige Geschlecht derer von Reusch aus, da sie unverheiratet und kinderlos war. Über den Nachlass war derzeit jedoch der Konkurs verhängt worden und so kauften der pensionierte Offizier Wilhelm Geiselmann und der Wasserbauingenieur Tolle zunächst das Gut, um es dann einige Jahre später an den Haselünner Kaufmann Ernst August Vehmeyer weiter zu veräußern. Nach diesem Hin und Her erwarb schließlich 1855 Viktor Konstantin von Morsey gen. Piccard das adlige Gut. Ihm gehörte zuvor das Gut Herzford. Seine Witwe Sophie verkaufte Beversundern - wiederum im Zwangsverfahren - für angeblich 54.000 Mark am 03.09.1880 an den Grafen Wilderich von Galen. Das Gut blieb dann auch für drei Generationen im Besitz der Familien von Galen. Aber auch diese hatten letztlich - wie viele Vorbesitzer auch - wirtschaftlich gesehen kein Glück mit dem Anwesen. Durch unwirtschaftliches Handeln der Familie wurde das Adelsgut immer kleiner, bis es schließlich Ende der 1990er endgültig veräußert werden musste. Seitdem ist das Herrenhaus Beversundern in privater und bürgerlicher Hand.

Unabhängig davon liegt dort ein wenig verborgen in einem Wäldchen am Rande des Golfplatzes der kleine Friedhof von Beversundern. Bei dem Friedhof handelt es sich um einen kleinen Familienfriedhof. Der 1940, anlässlich des Todes von Franz Bernhard Graf von Galen, der an der Westfront gefallen war, angelegt wurde. Der Friedhof ist als solcher auch offiziell eingetragen und wurde durch den damaligen Bischof von Osnabrück, Wilhelm Berning, geweiht. Inzwischen sind dort mehrere Mitglieder der Familie von Galen beigesetzt worden. Der Friedhof, der mit einen geschnitzten Kreuz aus Oberammergau und seit 1967 auch mit einem Steinaltar versehen ist, wird auch regelmäßig bei den Flurprozessionen zur Feier der Eucharistie genutzt.

Das Herrenhaus selbst soll innerhalb der alten Gräften anscheinend erst um 1831 erbaut worden sein, und zwar zunächst einstöckig. Kaufmann Vehmeyer soll dann nach dem Kauf des Gutes das zweite Stockwerk aufgesetzt haben.

Graf Wilderich von Galen ließ dann 1880 den Turm an der Ostseite des Hauses errichten und das Dachgeschoß ausbauen. Zudem verlegte er die bis dahin innerhalb der Gräften gelegenen Wirtschaftsgebäude nach außerhalb. Bestandteile des Gutes waren damals das Wohnhaus, 3 Heuerhäuser, 2 Viehhäuser und 1 Schafstall.

An Ländereien waren 65 Morgen und 21 Quadratruten Garten und Ackerland, 305 Morgen und 83 Quadratruten Wiesen und Weiden sowie 9 Morgen Ackerland in kleineren Parzellen verzeichnet, also umgerechnet 95 Hektar (1Morgen = 180 Quadrat-Ruten).

 

Alles unter Dach und Fach - Zur Restaurierung der Gutsgebäude von Schloss Beversundern

Der Name Beversundern erinnert daran, dass es die Herren von Bevern waren, die im 15. Jahrhundert dieses Rittergut bei Altenlingen gründeten. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte das Gut häufig den Besitzer.

Die einstmals von einem breiten Wassergraben umgebene Schlossinsel bot nicht nur Platz für das Herrenhaus, sondern dort standen früher auch die Wirtschaftsgebäude des Gutes (1880 gehörten zu Beversundern das Wohnhaus, zwei Viehhäuser, ein Schafstall sowie drei Heuerhäuser).

Nachdem die Familie von Galen 1880 Beversundern erworben hatte, ließ sie das Gutshaus umgestalten und verlegte die Wirtschaftsgebäude nach und nach auf das Vorgelände der Schlossinsel. Dort stand damals an der Zufahrt zum Gut bereits ein Verwalterhaus, das heutige Wohnhaus der Familie Holt, an das 1882 ein Wirtschaftstrakt angebaut wurde.

Bei einem Brand im Jahre 1932 brannte dieser Wirtschaftsflügel vollständig nieder. Heute erinnert nur noch ein etwas versteckter Wappenstein an das einstige Bauwerk. An die Stelle des abgebrannten Wirtschaftsgebäudes trat 1932 das heutige Scheunengebäude aus Backstein mit seinen markanten Architekturformen. Das gequaderte Backsteinmauerwerk auf der Westseite, die Sandsteinblöcke mit Schießschartenöffnungen auf der Südseite, die rundbogigen Tore und das mächtige Walmdach erinnern an die Architektur barockzeitlicher Wasserburgen im Westfälischen.

Im Stil des Spätbarock wurde damals auch die nördlich anschließende Verwalterwohnung umgestaltet. Hier wohnte von alters her die Familie Strothrann, heute Holt. Die Straßenfront des Verwalterhauses erhält ihr Gepräge durch die regelmäßige Abfolge der umrahmten Fenster mit der kleinteiligen Sprossengliederung. Einen barocken Akzent setzt die sandsteinumrahmte Haustür mit dem Türoberlicht und dem Wappen der Familie von Galen.

Im Jahre 1997 erwarb die Grundstücksgemeinschaft Beversundern GbR unter anderem das Wirtschaftsgebäude mit dem angebauten Wohnhaus und stellte Haus und Grund dem Golfclub Emsland e.V. zur Nutzung zur Verfügung. Im Jahre 2004 wurden die alten Wirtschaftsgebäude umfassend restauriert und im Winter 2005/06 auch der angrenzende Wohnflügel wiederhergestellt. Dabei wurde großer Wert auf die Bewahrung des äußeren Bildes der historischen Gutsanlage gelegt. Zusammen mit dem alten Baumbestand bildet die vielfach gegliederte Baugruppe der früheren Vorburg heute eine wirkungsvolle Kulisse an der Auffahrt zum Gutshaus und zum Golfplatz.

2009 konnte der Golfclub Emstal e.V. die kompletten Anteile der Grundstücksgemeinschaft Beversundern GbR übernehmen. Die Gesellschaft wurde aufgelöst und die Wirtschaftsgebäude mit Wohnhaus und ein Großteil des Golfplatzes ist in das Eigentum des Golfclub Emstal e.V. übertragen worden.

Webseite: www.beversundern.de und www.beversundern-lingen.de

Quelle: Auszugsweise aus dem Jahrbuch 2013 d. Schützenverein Altenlingen.